rosa Blumen

99 Dinge, die meine Mutter liebte

Barbara Allgemein Leave a Comment

Als meine Mutter nicht mehr so gut lesen konnte, aber ihre Neugier immer noch gross war, habe ich ihr von meinem online Leben erzählt, von meinen Bloggerfreunden und unserem Austausch. Das war für sie wie ein Fenster zur grossen weiten Welt.

Das hat mich auf die Idee gebracht, zu ihrem Abschied einen Post zu schreiben und zwar nach der Blogger Herausforderung: 99 Dinge, die ich liebe.

Während dem Schreiben habe ich oft gelächelt, hier nun ein Auszug:

Familie
Immer an erster Stelle die Familie: zuerst ihre Eltern, dann die kurze Ehe (mein Vater starb mit 39 Jahren und sie war eine junge Witwe von 35 Jahren), wir zwei Kinder und dann ihre geliebte Grosstochter.

Freunde
Ursula, ihre beste Freundin seit frühesten Kindheitstagen.

In unserer Jugend waren alle unsere Freunde immer willkommen in unserem Zuhause, sie kamen zu ihr, um Rat zu suchen oder auch einfach nur so, um hallo zu sagen. Sie hat sich gerne mit jungen Menschen umgeben.

Ihre Hunde
Und jeder Hund war ihr der liebste und der beste! Ilo, Babette, Henry, Luder, Bobby, Chica und Roco.

Tiere

Natur
Draussen leben im Licht und der Helligkeit, das hat sie in Spanien so genossen, die Sonnenuntergänge, Bäume und Pflanzen, die Vögel, die Echsen und Schlangen.

Spanien
Sie hat sich in Andalusien ein Paradies aufgebaut während gut 20 Jahren und sich ihren Traum von einem selbständigen Leben erfüllt.

 

happy days in Spain

Glückliche Momente in Spanien

 

Auto fahren
Gerne und schnell, wir haben alle mitgebremst. Sie war auch gut befreundet mit ihrem Carossier in Spanien, der sie oft in seiner Werkstatt gesehen hat.

Reisen
USA und Canada, immer wieder England und dann natürlich Spanien.

Die grosse Australien- und Asienreise, die uns zu ihrem Neffen, Ueli, und seiner Partnerin, Connie, führte.

Ein Traum von ihr war es, nachdem sie Spanien verkauft hatte, noch viele Länder zu besuchen.

Das war dann vor allem Italien, dass sie so richtig geniessen konnte, zusammen mit Sandra und Antonio, aber auch in den gemeinsamen Ferien mit Yvonne – meine golden girls: Anny, Yvonne und Chica.

Basel
Wer kennt nicht ihre Verbundheit mit ihrer Heimatstadt, ihr feines Baseldytsch und ihre dezidierte Meinung zu den Politikern?

Fasnacht
Wie ihr Vater war sie eine aktive Passiv Fasnächtlerin.

Das Spaghettiessen am Sonntag vor der Fasnacht seit mehr als 40 Jahren, Morgestraich, Cortège, Zeddel, das Gässle in der Nacht, Schnitzelbängge.

Darauf hat sie sich das ganze Jahr gefreut.

Disziplin
Stark, selbständig und immer nur Anforderungen an sich selber stellen, nie an andere.

Humor
Verschmitzt und manchmal auch Selbstschutz

Kultur
Geschichte (besonders der zweite Weltkrieg, den sie ja so nahe miterlebte), Museen, Besuch von Schlössern und vor allem Parkanlagen.

Gut essen und trinken
Dieses Gen ist gut vertreten in unserer Familie. Sie liebte es, in fremden Ländern auf Märkten einzukaufen, die lokalen Spezialitäten, insbesondere Weine, zu probieren.

Bier

Kochen
Sie war eine wunderbare Köchin und konnte aus den einfachsten Zutaten eine herrliche Mahlzeit zubereiten. Und auch da immer wieder neugierig und interessiert an Neuem: ich habe ihr vor ein paar Jahren ein Ayurveda Kochbuch geschenkt und sie hat sich begeistert darin vertieft.

Gastgeberin
Open House das ganze Jahr, alle waren sie immer willkommen.

Etwas Neues entdecken
Ausgehen, ein neues Restaurant entdecken, eine Ausstellung bei Lily besuchen oder einfach über Land fahren und die Schönheit geniessen

Fotografieren
Ihre grossen Themata: natürlich Naturaufnahmen, vor allem während Jahren Reflektionen im Wasser, und Tiere, in den letzten Jahren im Basler Zolli.

Puzzle
Ihre grosse Leidenschaft, mit welcher Perfektion sie von Hand auf einer alten Sägemaschine (das waren auch die besten) die auf Holz aufgezogenen Bilder aussägte, den Formen und Farben nach schwierige Gebilde kreierte. Wie haben wir uns immer über ihre liebevollen Geschenke gefreut und sie heimlich verflucht, weil es so verdammt schwierig war.

Musik
Ich erinnere mich an meine früheste Kindheit: da war es Harry Belafonte und Calypso zum Bügeln, klassische Musik zu den Sonntagsfrühstücken, Mahalia Jackson zu Weihnachten, Jazz, Ragtime, Sousa, Dixie und die Barry Sisters immer und immer wieder, Janis Joplin, die Village People mit ihrem YMCA, Gipsy Kings, Manita de Plato und Julio Iglesias in der spanischen Periode, Lucio Dalla, Paolo Conte und Francesco de Gregori.

Gärtnern
Lieber stundenlang Unkraut jäten als Haus- oder Handarbeit

Blumen, Pflanzen und Bäume

Dessert
Pudding, Flan, crema catalan, Bavarois au Rhum und Crèmes – sie hat sie alle geliebt.

Kartoffeln
Ihre geliebten „Häbi“, damit hat sie uns auf die Palme getrieben. Sie hat zwar gerne Pasta gegessen, aber lieber nicht selber gekocht.

Käse

Pickles

Wein
Vor allem Rotwein, ein Rioja oder eine toskanische Assemblage aus Sangiovese, Merlot und Cabernet Sauvignon

Kreuzworträtsel

Technische Geräte
… und sie selber reparieren

Tattoo
Dudelsack und snare drums

Traditionen und Rituale

Lesen
Immer viel gelesen: Biographien, Lexika (Kreuzworträtsel), Krimi und Romane, Rezepte, Kunstbücher, Johann Peter Hebel, Basiliensis.

Schreiben
Sie hat Tagebuch geschrieben und bis zuletzt mit ihren Freunden auf der ganzen Welt Briefe ausgetauscht, obwohl sie fast nichts mehr sehen konnte.

 

rosa Blumen

Rosa Blumen für die Reise

Am letzten Freitag, an einem regnerischen und stürmischen Tag, haben wir ihre Asche in einem bewegenden Ritual dem Rhein übergeben, wie ein Zeichen von ihr begleitet von Regenbogen und Sonnenschein.

 

somewhere over the rainbow

„Somewhere over the rainbow“

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